Jean-Jacques Rousseau
Erzählvideo · Der Gemeinwille (volonté générale)
Was, wenn der wahre Tyrann nicht der Koenig ist, sondern dein Zaun?
Stell dir den ersten Menschen vor, der ein Stueck Land umzaeunte und sagte: Das ist mein. Genau hier, sagt Rousseau, beginnt die Ungleichheit. Der Mensch sei von Natur aus frei und gut; nicht die Natur, sondern die Gesellschaft verdirbt und unterwirft ihn. Wie also koennen Menschen zusammenleben, ohne ihre Freiheit zu verlieren? Rousseaus Antwort ist der Gesellschaftsvertrag: Legitime Herrschaft gruendet nicht auf Gewalt oder Gott, sondern auf der freien Uebereinkunft, durch die sich alle dem Gemeinwillen unterstellen. Dieser Gemeinwille zielt nicht auf die Summe privater Interessen, sondern auf das Wohl des Ganzen. Wer ihm gehorcht, gehorcht keinem fremden Herrn, sondern dem Gesetz, das er als Buerger sich selbst mitgegeben hat. Freiheit und Gehorsam fallen zusammen. So beginnt er sein beruehmtestes Werk: Der Mensch ist frei geboren, und ueberall liegt er in Ketten. Vom Gesellschaftsvertrag, 1762. Eine Frage, die bis heute nicht verstummt ist.
🎧 Vorlesen – die ganze Erfahrung hören
🔊 Erzählvideo
KI-Erzählstimme, kein Originalton — ein Porträt im Geiste des Denkers.
- 1
Der Mensch ist von Natur aus frei und gut
„Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“ Nicht die Natur, sondern die Gesellschaft verdirbt und unterwirft ihn.
- 2
Gesellschaftsvertrag
Legitime Herrschaft gründet nicht auf Gewalt oder Gott, sondern allein auf der freien Übereinkunft, durch die sich alle dem Gemeinwillen unterstellen.
- 3
Gemeinwille (volonté générale)
Der auf das Gemeinwohl gerichtete Wille des vereinigten Volkes – zu unterscheiden vom bloßen „Willen aller“, der Summe privater Interessen.
Nachklang
Was bleibt, ist eine Frage, kein Schlusspunkt — und ein Satz, der nachklingt: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten.“ (Vom Gesellschaftsvertrag (1762), erstes Kapitel).
