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Sinnkriterium vs. Seinsfrage

Ist Metaphysik sinnlos?

1932 erklärte Rudolf Carnap Heideggers Satz „Das Nichts selbst nichtet“ zum Musterbeispiel sinnloser Metaphysik. Ein erdachtes Streitgespräch über die Frage, ob die logische Analyse der Sprache die Philosophie rettet – oder ihr Eigentliches verfehlt.

🔊 Anhören — als Streitgespräch mit zwei Stimmen

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Rudolf Carnap

Ihr Satz „Das Nichts nichtet“ ist grammatisch wohlgeformt, aber logisch ein Scheinsatz. „Nichts“ ist kein Name für einen Gegenstand, sondern ein logischer Operator. Was sich weder empirisch prüfen noch analytisch entscheiden lässt, hat keinen kognitiven Gehalt – es ist sinnlos.

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Martin Heidegger

Sie verwechseln die Strenge des Kalküls mit der Strenge des Denkens. Gerade indem Sie das Nichts in einen Operator verwandeln, weichen Sie der Frage aus, die jede Logik schon voraussetzt: Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts? Die Wissenschaft kann von Nichts nichts wissen wollen – und steht doch in ihm.

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Rudolf Carnap

Eine Frage, die prinzipiell keine überprüfbare Antwort erlaubt, ist keine Frage, sondern ein Gefühl in Satzform. Metaphysiker sind Musiker ohne musikalische Fähigkeit: Sie drücken ein Lebensgefühl aus und halten es für Erkenntnis.

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Martin Heidegger

Und Sie halten die Stimmung der Angst, in der sich das Nichts offenbart, für ein bloßes Gefühl. Doch in ihr entgleitet das Seiende im Ganzen – und erst dadurch wird es als Seiendes überhaupt sichtbar. Ihr Sinnkriterium ist selbst kein empirischer Satz: Es ist eine Festsetzung, die ihre eigenen Voraussetzungen nicht ausweisen kann.

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Rudolf Carnap

Zugegeben – das Sinnkriterium ist eine Festsetzung, ein Vorschlag für eine klarere Sprache. Aber genau das ist sein Vorzug: Es ist offen, revidierbar, zweckmäßig. Ihr „Sein“ hingegen lässt sich gegen keinen Einwand prüfen.

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Martin Heidegger

Weil das Sein kein Seiendes unter anderen ist, das man prüfen könnte. Sie wollen die Lichtung ausleuchten mit einer Lampe, die selbst nur in ihr leuchtet. Die Sprache ist nicht bloß Werkzeug des Rechnens – sie ist das Haus des Seins.

Fazit

Der Streit blieb unentschieden – und wurde zur Bruchlinie der Philosophie des 20. Jahrhunderts: hier die analytische Tradition, die Klarheit durch Logik sucht, dort die kontinentale, die nach dem fragt, was aller Klärung vorausliegt. Quine sollte später sogar Carnaps eigenes Sinnkriterium erschüttern.